Ist-Versteuerung — und warum du sie wählen solltest
Standardmäßig setzt das Finanzamt die Soll-Versteuerung an: Umsatzsteuer wird fällig, sobald du die Leistung erbracht hast — also mit Check-out des Gastes, nicht wenn das Geld bei dir ankommt. Das ist ungünstig, weil du Steuer abführst, bevor du das Geld hast.
Die Ist-Versteuerung ist besser: Steuer wird erst fällig, wenn der Betrag tatsächlich auf deinem Konto eingegangen ist. Airbnb zahlt oft Wochen nach Check-out aus — bei der Ist-Versteuerung landet die Steuer also im richtigen Quartal.
Berechtigt zur Ist-Versteuerung bist du, wenn dein Umsatz unter 800.000 € liegt (für Kurzzeitvermieter immer der Fall). Beantragen kannst du sie per „Sonstige Nachricht an das Finanzamt" in ELSTER — ein kurzer formloser Satz genügt: „Ich beantrage die Gestattung der Ist-Versteuerung nach § 20 UStG ab [Monat/Jahr] aufgrund einer Umsatzgrenze deutlich unter 800.000 €." Solange das Finanzamt die Gestattung noch nicht schriftlich bestätigt hat, reiche deine erste Voranmeldung trotzdem nach Ist-Versteuerung ein — der Antrag gilt rückwirkend ab dem beantragten Zeitraum.
Welche Abschnitte du ausfüllst
Das ELSTER-Formular UStVA 2026 hat 10 Abschnitte. Als Kurzzeitvermieter füllst du drei davon aus — vier, wenn du Booking.com nutzt:
| Nr. | Abschnitt | Deine Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
| 1 | Angaben zum Unternehmen | Ausfüllen | Name, Steuernummer, Voranmeldungszeitraum — einmalig einrichten |
| 2 | Mitwirkung / Beratung | Leer lassen | Nur relevant wenn du einen Steuerberater bevollmächtigt hast |
| 3 | Lieferungen und sonstige Leistungen | Ausfüllen ✓ | Hier kommen deine Mieteinnahmen rein |
| 4 | Innergemeinschaftliche Erwerbe | Leer lassen | Nicht relevant für Vermietung |
| 5 | Leistungsempfänger als Steuerschuldner (§ 13b) | ⚠ Nur Booking.com | Airbnb: leer lassen (stellt selbst 19 % USt aus). Booking.com: Kz 46 befüllen + Kz 67 in Abschnitt 7 |
| 6 | Ergänzende Angaben zu Umsätzen | Leer lassen | Sonderfälle — nicht relevant |
| 7 | Abziehbare Vorsteuerbeträge | Ausfüllen ✓ | Hier trägst du deine abzugsfähigen Kosten ein |
| 8 | Andere Steuerbeträge | Leer lassen | Nicht relevant |
| 9 | Vorauszahlung / Überschuss | Automatisch | ELSTER berechnet das Ergebnis selbst |
| 10 | Ergänzende Angaben nach § 17 | Leer lassen | Nur bei Korrekturen aus Vorquartalen |
Abschnitt 3 — Deine Einnahmen
Hier trägst du deine Mieteinnahmen als Netto-Bemessungsgrundlage ein — also den Betrag ohne Umsatzsteuer. ELSTER berechnet die Steuer automatisch.
Welche Kennzahl für was?
| Kz | Zeile | Bezeichnung | Für dich |
|---|---|---|---|
86 | 14 | Umsätze zum Steuersatz 7 % | Deine Kurzzeitvermietungseinnahmen (STR) |
81 | 13 | Umsätze zum Steuersatz 19 % | Gewerbliche Langzeitmieter, Parkplatz mit separatem Vertrag, etc. |
87 | 15 | Umsätze zum Steuersatz 0 % | Nicht relevant |
Wie du den Kz-86-Betrag aus Smoobu ermittelst
Für jede Buchung im Quartal benötigst du zwei Werte aus Smoobu (zu finden im Google-Sheets-Export oder direkt in der Buchungsdetailseite in Smoobu):
- paid_out — Auszahlung an dich nach Abzug der OTA-Hostgebühr (enthält bei Airbnb Berlin die durchgeleitete Übernachtungssteuer)
- host_fee — die einbehaltene Servicegebühr des OTA (z. B. ~3 % Airbnb-Hostgebühr)
Schritt 1 — Bemessungsgrundlage pro Buchung
Damit rechnest du die 7 % Umsatzsteuer aus dem Bruttobetrag heraus. Was übrig bleibt, ist die Netto-Bemessungsgrundlage für ELSTER.
Schritt 2 — Quartalssumme → Kz 86
ELSTER rundet auf volle Euro und berechnet die Steuer (× 7 %) automatisch.
Rechenbeispiel
Beispielzahlen — nicht deine echten Werte
| Airbnb paid_out (3 Buchungen) | 3.210,00 € |
| Airbnb host_fee (gesamt) | 90,00 € |
| Summe | 3.300,00 € |
| ÷ 1,07 | 3.084,11 € |
| Kz 86 — Bemessungsgrundlage | 3.084 € |
| ELSTER berechnet: × 7 % | 215,88 € |
uenst-2a. Alles dazu: Übernachtungssteuer Berlin — die vollständige Anleitung.Abschnitt 7 — Deine abziehbare Vorsteuer
Hier trägst du die Umsatzsteuer ein, die dir deine Lieferanten in Rechnung gestellt haben — und die du zurückfordern kannst. Die Summe wird von deiner eigenen Umsatzsteuerschuld abgezogen.
Vorsteuerbeträge aus Rechnungen von anderen Unternehmern
Hier trägt die meisten Kurzzeitvermieter alles ein — einfach die ausgewiesene Umsatzsteuer aus allen Belegen summieren.
Was gehört in Kz 66?
| Kostenart | Hinweis | Kz 66? |
|---|---|---|
| Airbnb-Gastgeberrechnung | Airbnb Ireland stellt dir 19 % deutsche USt auf die Hostgebühr in Rechnung — diese kannst du direkt als Vorsteuer abziehen | ✓ Ja |
| Booking.com-Provision | Kein deutscher USt-Ausweis → Reverse-Charge (§ 13b). Netto-Provision in Abschnitt 5, Kz 46 eintragen — dann gleichen Betrag in Kz 67 zurückfordern | → Kz 67 |
| Reinigung (Fremdfirma) | Rechnung mit ausgewiesener USt (meist 19 %) | ✓ Ja |
| Software-Abonnements | Smoobu, Buchhaltungssoftware, Cloud-Dienste — 19 % USt | ✓ Ja |
| Strom, Wasser, Gas | 19 % USt auf Abschlagsrechnungen (anteilig, wenn gemischte Nutzung) | ✓ Ja |
| Handwerkerleistungen | Renovierung, Reparaturen — 19 % USt aus Handwerkerrechnung | ✓ Ja |
| Reinigungskraft (Minijob) | Kein Vorsteuerabzug — Minijobber stellen keine USt-Rechnung | ✗ Nein |
| Miete / Hypothekenzinsen | Keine USt auf Wohnraumvermietung oder Kreditzinsen | ✗ Nein |
| Versicherungen | Versicherungssteuer ≠ Umsatzsteuer — kein Vorsteuerabzug möglich | ✗ Nein |
| Rundfunkbeitrag | Keine Umsatzsteuer enthalten | ✗ Nein |
Airbnb stellt eine Gastgeberrechnung pro Abrechnung aus
Airbnb Ireland UC berechnet auf Hostgebühren 19 % deutsche Umsatzsteuer — und weist sie auf der Rechnung aus. Das macht Section 5 (§ 13b Reverse-Charge) für dich überflüssig: Airbnb erledigt das selbst. Du musst die Rechnungen nur herunterladen und die ausgewiesene USt in Kz 66 eintragen.
Wo findest du die Rechnungen? In Airbnb unter <em>Konto → Steuern → Gastgeberrechnungen</em>.
Beispiel Vorsteuer-Sammlung (Quartal)
Beispielzahlen — nicht deine echten Werte
| Airbnb Hostgebühr-USt (3 Rechnungen) | 145,00 € |
| Reinigungsfirma USt | 95,00 € |
| Smoobu Abo USt | 8,00 € |
| Sonstiges (Verbrauchsartikel etc.) | 12,00 € |
| Kz 66 — Vorsteuer gesamt | 260,00 € |
Die zwei Tabellen, die du brauchst
Bevor du ELSTER öffnest, brauchst du zwei Dinge: deine Einnahmen aus Smoobu und deine Ausgaben aus den Belegen. Dafür gibt es fertige Tools:
Abschnitt 5 — Airbnb vs. Booking.com: der entscheidende Unterschied
Im ELSTER-Formular erscheint Abschnitt 5 vor Abschnitt 7 — wir behandeln ihn hier danach, weil er auf dem Vorsteuerkonzept aus Abschnitt 7 aufbaut.
Abschnitt 5 (§ 13b UStG) betrifft den Reverse-Charge-Mechanismus: Wenn ein ausländisches EU-Unternehmen dir eine Leistung erbringt, ohne deutsche Umsatzsteuer auszuweisen, bist du als Leistungsempfänger der Steuerschuldner. Du meldest die Steuer an und kannst sie gleichzeitig als Vorsteuer zurückfordern — per Saldo null, aber Meldepflicht bleibt.
Airbnb Ireland übernimmt die Umsatzsteuerpflicht selbst: Auf jeder Gastgeberrechnung stehen 19 % deutsche USt — ausgewiesen, fertig. Du lässt Abschnitt 5 komplett leer und trägst die ausgewiesene USt als Vorsteuer in Kz 66 ein.
Booking.com BV (Niederlande) stellt dagegen keine deutsche Umsatzsteuer aus — hier greift der Reverse-Charge. Du trägst die Netto-Provision in Abschnitt 5, Zeile 30 (Kz 46) ein; ELSTER berechnet die 19 % Steuer in Kz 47 automatisch. Den gleichen Steuerbetrag forderst du in Abschnitt 7, Kz 67 als Vorsteuer zurück. Ergebnis: null Mehrbelastung, aber du musst es korrekt melden. Deine monatlichen Provisionsrechnungen findest du im Extranet unter Finance → Invoices — statt eines Steuerbetrags steht dort „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers".
Der quartalsweise Ablauf
- Buchungsdaten aus Smoobu exportieren — CSV-Export oder Google-Sheets-Sync; Spalten paid_out und host_fee pro Buchung
- Bemessungsgrundlage berechnen — (paid_out + host_fee) ÷ 1,07 pro Buchung, dann summieren → Kz 86
- Belege sammeln — Airbnb-Gastgeberrechnungen herunterladen, Reinigungsrechnungen, Software-Quittungen
- Vorsteuer summieren — ausgewiesene USt-Beträge aller Belege addieren → Kz 66
- ELSTER öffnen — Mein ELSTER → Formulare und Leistungen → Umsatzsteuervoranmeldung
- Abschnitte 1, 3 und 7 ausfüllen — bei Booking.com zusätzlich Abschnitt 5 (Kz 46). Abschnitt 9 berechnet automatisch.
- Prüfen, übermitteln — Übertragungsprotokoll speichern als Nachweis
- Zahlen — Zahlbetrag bis zum 10. des Folgemonats überweisen (oder SEPA-Lastschrift einrichten)
Quartalsfristen
| Quartal | Zeitraum | Abgabe bis |
|---|---|---|
| Q1 | Januar – März | 10. April |
| Q2 | April – Juni | 10. Juli |
| Q3 | Juli – September | 10. Oktober |
| Q4 | Oktober – Dezember | 10. Januar (Folgejahr) |
Fällt der 10. auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, gilt der nächste Werktag. Du kannst eine Dauerfristverlängerung um einen Monat beantragen — bei vierteljährlicher Abgabe ist das kostenlos.
Häufige Stolpersteine
- Bruttobetrag statt Nettobetrag eingetragen: Kz 86 verlangt die Bemessungsgrundlage ohne USt. Teile deinen Bruttoumsatz durch 1,07 — nicht den Bruttobetrag direkt eintragen.
- Übernachtungssteuer als Einnahme: Die Citytax ist ein durchlaufender Posten. Sie gehört nicht in Kz 86 — sie wird separat über das Berliner Steuerportal gemeldet.
- Versicherungssteuer als Vorsteuer: Versicherungsprämien enthalten keine Umsatzsteuer (sondern Versicherungssteuer). Kein Vorsteuerabzug möglich.
- Airbnb-Rechnungen vergessen: Airbnb stellt pro Abrechnungsperiode eine Gastgeberrechnung mit 19 % USt aus. Diese muss heruntergeladen und in Kz 66 eingetragen werden.
- Booking.com-Provision in Kz 66 eingetragen: Booking.com stellt keine deutsche USt aus. Die Netto-Provision gehört in Abschnitt 5 (Kz 46) — nicht in Kz 66. Den von ELSTER berechneten Steuerbetrag dann in Kz 67 zurückfordern.
- Falsches Quartal: Bei Ist-Versteuerung zählt der Zahlungseingang. Eine Buchung mit Auszahlung am 2. April gehört in Q2 — auch wenn der Aufenthalt im März war.
- Zu spät abgegeben: Verspätete Abgabe führt zu Verspätungszuschlägen. ELSTER automatisch einrichten und einen festen Quartals-Termin in den Kalender eintragen.
Kein Stress — die Voranmeldung ist vorläufig
Die Umsatzsteuervoranmeldung ist eine Vorauszahlung, kein Abschluss. Das Finanzamt erwartet, dass Quartalszahlen nicht auf den Cent genau stimmen — kleine Ungenauigkeiten sind normal und werden am Jahresende ausgeglichen.
Die Jahresumsatzsteuererklärung, die du einmal pro Jahr einreichst, ist die verbindliche Abrechnung. Dort werden alle vier Quartale zusammengeführt, Korrekturen eingearbeitet und eine etwaige Überzahlung erstattet. Wenn du dir bei einem einzelnen Beleg nicht sicher bist — z. B. ob der Steuerberater als Vorsteuer zählt oder welchen Anteil du ansetzen kannst — mach die Voranmeldung konservativ und kläre es in der Jahreserklärung. Lieber einmal zu wenig beansprucht als zu viel.
Zwei Dinge, die viele Ersteinreicher irritieren — aber kein Grund zur Panik: Kein Umsatz im Quartal? Du musst trotzdem eine Nullmeldung abgeben — Formular absenden, alle Felder leer. Abschnitt 9 zeigt einen negativen Betrag? Das ist kein Fehler. Wenn deine Vorsteuer (Kz 66) die Umsatzsteuerschuld übersteigt — z. B. nach einer großen Renovierungsrechnung — ergibt sich ein Guthaben. Das Finanzamt erstattet es oder verrechnet es mit dem nächsten Quartal.
Checkliste fürs nächste Quartal
- Smoobu-Buchungsdaten exportiert (paid_out + host_fee pro Buchung)
- Bemessungsgrundlage für Kz 86 berechnet ((paid_out + host_fee) ÷ 1,07)
- Alle Belege gesammelt und Vorsteuer für Kz 66 summiert
- ELSTER-Formular ausgefüllt und übermittelt (Protokoll gespeichert)
- Zahlbetrag bis zum 10. des Folgemonats überwiesen